Graubünden - Culture of Construction

alt_title_logo Kantonsbibliothek Graubünden
Chantun Grischun
Cantone dei Grigioni
Contemporary Architecture
back to overview

Brücken in der Viamala: Punt da Suransuns, 1999

Viamala | 7430 Thusis
STEINBOGEN UND HOLZTREPPE
Der Verein ‹Kulturraum Viamala› hat einen Fussweg durch die le-gendäre Schlucht angelegt, in Erinnerung an den ehemaligen Saumpfad. Auch will er das Gebiet mit seinen zahlreichen historischen, landschaftlichen und baulichen Denkmälern als Ecomuseum einrichten. Die zwei Brücken der Ingenieure Jürg Conzett, Gianfranco Bronzini und Patrick Gartmann schliessen nun über einer Schlucht und über dem Rhein den Wanderweg zwischen Thusis und Zillis. Die eine Brücke in Holz, die andere in Stein, zeigen sie den Übergang von den Holzbauten des Nordens zu den Plattenwegen und Steinbauten des Südens.
Von Thusis nach Zillis verläuft ein Weg auf der rechten und einer auf der linken Seite. Wo die zwei Wegabschnitte auf natürliche Sperren stossen, verbindet der Pùnt da Suransuns die beiden Ufer. Als Spannbandbrücke konstruiert, schwingt der Hängesteg wie ein umgekehrter, flacher Steinbogen über den Fluss. Zugbänder aus Stahl hängen zwischen beiden, in Ankern gesicherten Widerlagern. Auf ihnen liegen Steinplatten aus Andeerer Gneis. Sie sind an Geländer-stäben aus Edelstahl befestigt. Dünne Aluminiumbänder verkeilen die aneinander stossenden Platten. Durchs Anspannen der Zugbänder erhielt der dünne, auf Druck vorgespannte Steinbelag die nötige Steifigkeit. Der heikle Übergang von den Zugbändern zu den Widerlagern ist mit Blattfedern verstärkt – zum Schutz des Materials. 1996 schon baute der Verein den ersten Traversinersteg. Drei Jahre später riss ihn ein Steinschlag in die Tiefe. Die Ingenieure verlegten die neue Überquerung des Seitentobels der Viamala etwas weiter talauswärts an eine sichere Stelle. Dort fällt allerdings eine felsige Flanke fast senkrecht, etwa 70 Meter bis ins Bachbett ab, und zwischen den möglichen Auflagern einer Brücke betrug der Höhnenunterschied 22 Meter. Der zweite Traversinersteg überwindet diese Schwierigkeiten mit einer Brücke als hängender Treppe. Sie ist als vorgespanntes Seilfachwerk konstruiert. Die Spannweite der Hauptseile misst 95 Meter; in der Schräge überspannt die Brücke 62 Meter. Die betonierten Widerlager stehen auf Geländekuppen, die oberen Pfeiler bilden ein Tor. Der Steg hängt an gekreuzt angeordneten Hängeseilen. Die ausgeklügelte Geometrie des Fachwerknetzes verteilt die Kräfte, an den Hängeseilen sind im Abstand von 3.60 Metern stählerne Querträger befestigt. Die darauf liegenden Balken aus lärchenem Brettschichtholz wirken als Untergurt des Seilfachwerkes. Die seitlichen verhindern den senkrechten Blick in die Tiefe und geben dem Wanderer ein sicheres Gefühl. Zusammen mit den Verstrebungen unter dem Gehweg nützen sie auch als Windverband. Auf den Balken ist die etwa 1 Meter breite Treppe mit 176 Stufen aus Föhrenholz montiert. Wegen der Bogenform ändert sich die Steigung der Treppe kontinuierlich. Vgl. auch Brücken in der Viamala: Zweiter Traversinersteg, 2005.
(Bauen in Graubünden, Verlag Hochparterre und Bündner Heimatschutz, Zürich 2006)

Bauingenieure
Conzett, Bronzini, Gartmann, Chur

Bauherrschaft
Verein Kulturraum Viamala, Sils i. D.

Verfahren
Ideenwettbewerb

Anlagekosten
CHF 0,29 Mio.